Erfahrungsbericht 1

Erfahrungsbericht 1: Herausforderung ADHS

Eine Mutter erzählt

Die wohl grösste Herausforderung ist, sein Kind so zu lieben und anzunehmen wie es ist. Die zweite, sein Kind und sich nicht aufzugeben – egal was geschieht. Die dritte, sich zu informieren über das Thema – und den Weg zu gehen, der für das Kind, die Familie und das Umfeld am besten ist.

 

Aller Anfang ist schwer…
Unser Stress begann gleich nach der Geburt von Martin. Das Stillen wollte einfach nicht klappen. Drei bis vier Züge trinken und dann dösen, fand Martin viel schöner, als wach und aufmerksam zu trinken.

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Das gibt sich mit der Zeit, wecken sie ihn, so der Rat der Stillberaterin.
Zu Hause merkte ich schnell, warum die Schwestern mich überzeugt hatten, Martin über Nacht im Säuglingszimmer schlafen zu lassen. Er schlief (wenn überhaupt) 2-3 Stunden, um dann 4-6 Stunden wach zu sein. Das Stillen wurde nicht besser, Martin bestimmte meinen Tages- respektive Nachtablauf: Kurz schlafen, lange trinken, dazwischen weinen und quengeln. Schon bald hatte ich das Gefühl, dem «Muttersein» nicht gewachsen zu sein. Martin war 4 Monate alt und ich ein halbes Nervenwrack. Ständig musste er beschäftigt werden, er wollte (meinte ich damals) nicht alleine sein. Nicht im Laufstall, nicht im Gehrollwagen, nicht auf der Krabbeldecke! Alles war nur sehr kurze Zeit interessant. Dann weinte oder schrie er, bis ich ihn aufnahm und herumtrug. Der Snugli (Baby-Tragesack) war bald ein ständiges Bekleidungsstück von mir: Mit Martin im Huckepack erledigte ich die Hausarbeit. Staub wischen, saugen, Wäsche aufhängen, bügeln oder nähen an der Maschine. Wenn es lärmte, war Martin zufrieden und meckerte kaum. Mein Mann hatte wenig oder kein Verständnis für meine Probleme mit unserem Sohn. Sätze wie: Ich versteh nicht, warum du das nicht packst. Du gibst zu schnell auf. Hör doch mal auf meine Mutter oder sei konsequenter, liessen meinen Schuldgefühlberg wachsen. Kriechen lernte Martin nie, er robbte auf dem Bauch und später auf dem Hintern herum. Seinen ersten selbstständigen Schritt machte er mit 18 Monaten. Der Kinderarzt erklärte anlässlich der Kontrolltermine: Buben sind eben etwas langsamer in der Entwicklung, das gibt sich noch! Oder ein anderes Mal: Sie sind zu verkrampft und auf Martin fixiert, wollen Sie nicht wieder etwas arbeiten gehen?

 

Arbeit als Auszeit

Und ob ich wollte! Kurzerhand machte ich auf dem Nachhauseweg einen Stopp bei meinem früheren Arbeitgeber. Mein Chef freute sich über meinen Besuch und fragte lächelnd: Hast du nicht langsam genug vom Windeln wechseln? Ich könnte dich an den Samstagen gebrauchen. Ich versprach, es mir zu überlegen. Vom Bauchgefühl her wusste ich bereits: Ich will und werde es durchziehen. Jetzt konnten all jene einen Tag lang für Martin sorgen, die das Gefühl hatten, dass sie mit ihm besser klar kommen würden als ich. Mein Mann war von meinem Plan nicht begeistert. Er befürchtete, dass Kind und Haushalt durch meinen Job definitiv aus dem Ruder laufen würden. Doch ich war nicht davon abzubringen und sagte zu. Ich freute mich auf den nächsten Samstag, meinen ersten Einsatz. Es war meine erste gute Entscheidung – auch für Martin! Bei der Arbeit erhielt ich die Bestätigung, dass ich etwas kann und wertvoll bin. Auch merkte ich bald, dass ich trotz der Anstrengung nach diesem Tag mehr Geduld für Martin hatte. Mein Mann fand die Zeit mit seinem Sohn nicht anstrengend und verstand mich noch weniger. Im Gegensatz zu mir hatte er die Unterstützung seiner oder meiner Eltern, spielte den ganzen Tag mit Martin, ging mit ihm Fahrrad fahren oder in den Wald. Kurz, er gab sich mit seinem Sohn ab und deshalb war dieser auch zufrieden.

 

Ein Schwesterchen für Martin

Einen Monat vor Martins drittem Geburtstag kam seine Schwester Sandra zur Welt. Wir waren glücklich und zu unserem Erstaunen war Martin ein fürsorglicher Bruder. Er rannte los, wenn sie weinte und gab ihr den Nuggi, half beim Windeln wechseln, badete leidenschaftlich gern mit ihr und schenkte ihr sogar sein Lieblingsauto. Sandra war ein Bilderbuch-Baby. Mit 10 Wochen schlief sie 12 Stunden durch, das Stillen klappte zwar auch bei ihr nicht, aber den Schoppen nahm sie problemlos. Die Sonne schien wieder regelmässiger in unserem Heim und ich vergass beinahe, wie schwierig es vorher war. Dies änderte sich schlagartig, als Sandra sich zum ersten Mal wehrte, als Martin ihr beim Spielen einfach den Baustein wegnahm. Er rastete völlig aus, stiess seine Schwester grob um und schlug mit dem Bauklotz auf sie ein. Ich musste dazwischen gehen, sonst hätte er nicht aufgehört. Später erfuhr ich, dies war der erste Kontakt mit seiner geringen Frustrations-Toleranz. Ab nun musste ich die Kinder beim Spielen stets im Auge behalten, da Martin anscheinend grundlos seine Attacken bekam und kaum zu bremsen war.

 

Das ist doch nicht «normal»!

In meinem Umfeld wurde dieses Verhalten nicht als normal eingestuft. Deshalb ging ich zur Kleinkinderberatungsstelle. Nach einer Spielphase, die von einer Beraterin beobachtet wurde, teilte mir diese mit, dass ich Sandra wohl lieber mag. Martin spüre dies und reagiere deshalb so eifersüchtig auf seine Schwester. Zudem sei ich überfordert, weil ich arbeite (immer noch nur samstags). Ich solle mich lieber auf die Kindererziehung konzentrieren, als mein Ego bei der Arbeit zu befriedigen! Enttäuscht ging ich nach Hause mit dem tiefsitzenden Gefühl, dass ich mich auf niemanden verlassen kann und mir niemand glaubt.Meine Schwägerin war während all der Jahre bis zur Diagnose ADHS mein Lichtblick. Sie konnte mir zwar auch nicht wirklich helfen, aber sie hörte mir zu und was ganz wichtig war: Sie behielt all die guten Ratschläge für sich! Eine Wohltat für mich! Martins Grosspapi war der einzige, der mit ihm zurecht kam! Wenn mein Vater etwas sagte, gehorchte er meist, Verbote wurden eingehalten, trotzen nur ganz kurz versucht! So ist nicht erstaunlich, wo wir unsere Wochenenden mehrheitlich verbrachten: Bei meinen Eltern! Andere Freunde hatten wir nicht mehr viele. Die meisten zogen sich zurück. Mir tat dies weh. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass man mir die Schuld gab, weshalb Martin so und nicht anders war.

 

Was ist denn ADHS?

Mit vier Jahren gab ich Martin in eine private Spielgruppe und hoffte, dass er dadurch lernt, sich zu integrieren. Die freien Stunden genossen Sandra und ich sehr. Endlich konnten wir auf den Spielplatz gehen, ohne dass die anderen Mütter gleich zusammen packten. Schon nach kurzer Zeit bat mich die Spielgruppenleiterin um ein Gespräch. Ich ahnte, was sie sagen wollte. Liebevoll, aber sehr klar informierte sie mich, dass das Verhalten von Martin nicht der altersgerechten Norm entspräche. Sie rate mir dringend zu einer Abklärung beim KJPD – sie vermute eine ADHS! Ich verstand die Bedeutung der vier Buchstaben überhaupt nicht. Da ich aber selber merkte, dass etwas nicht in Ordnung war, fragte ich meinen Mann nach seiner Meinung. Seine Antwort: Dann geh halt hin und frag, was das ist! Die Psychologin war sehr nett und erklärte mir nach den Tests mit Martin, dass eine ADHS nicht ausgeschlossen sei, aber definitiv noch nicht diagnostizierbar. Falls die Schwierigkeiten im Kindergarten immer noch vorhanden seien, sollte ich wieder kommen. Sie empfahl mir einschlägige Literatur, den Kontakt mit der Phosphatliga und im Umgang mit Martin mehr Konsequenz. Das Buch brachte mir das Thema etwas näher, aber ich wusste immer noch nicht, was ADHS wirklich ist. Die Phosphatliga empfahl strenge Diät und als Unterstützung Bachblüten. Beides machten wir, die Bachblüten halfen eher mir als Martin. Die kostspielige Diät brachte keine sichtbaren Erfolge.

 

Der Kindergarten – ein täglicher Stress

Aufstehen, anziehen, frühstücken und rechtzeitig im Kindergarten sein – ein Horror. Schon bald hatte ich panische Angst, wenn das Telefon klingelte. Regelmässig beschwerten sich bei mir Eltern über Martin. Am Abend runterfahren – das Zu-Bett-Gehen wurde zur Machtprobe. Die Lehrerin konnte gut auf Martin eingehen und schaffte es mehrheitlich, ihn zu beruhigen. Später erfuhr ich, dass sie ein grosses Wissen über ADHS hatte und deshalb vieles im Umgang mit unserem Sohn richtig machte. Er liebte sie abgöttisch und tat fast alles, damit sie ihm ein Lächeln schenkte oder ihn lobte. Trotzdem: Von den anderen Kindern wurde er nicht in ihre Gruppe integriert. Er hatte keinen echten Freund und wurde nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Er fühlte sich ungeliebt. Beim Schulreifetest erreichte Martin nicht genügend Punkte, weshalb der Schulpsychologische Dienst eingeschaltet wurde. Nun begann auch noch der Stress mit den Behörden. Diverse Tests wurden mit Martin gemacht, ich musste tausende von Fragen beantworten und erhielt schliesslich die klare Aussage: Schweres ADHS, IV anerkannt! Der SPD war in seinem Gutachten klar der Meinung, wir seien als Eltern mit Martin überfordert und er müsse in eine Sondertagesschule eingewiesen werden. Voller Zuversicht ging ich mit meinem Sohn an einen Besuchstag. Gott sei Dank bestätigte mir die Lehrerin mein Gefühl, dass Martin nicht dorthin gehört. Und so begannen die Mühlen zu mahlen: Einspruch erheben, Rekurs einreichen, abwarten, mit der Kindergärtnerin sprechen, einen anderen Psychologen suchen, meine Schwiegereltern, meinen Mann und alle die sich Sorgen machten, beruhigen. Ich funktionierte nur noch.

 

Endlich die Diagnose!

Wir fanden eine neue Psychologin, welche Martin nochmals gründlich testete. Endlich wurden wir Eltern aufgeklärt, was die vier Buchstaben ADHS bedeuten und welche Defizite unser Sohn hatte. Im Gegensatz zu meinem Mann war ich nicht geknickt, sondern eher froh. Ich musste mich nicht mehr schämen, wenn andere Mütter mit ihren Kindern die Strassenseite wechselten, wenn wir kamen. Nun konnte ich ihnen erklären, dass Martin «krank» ist. Trotzdem kam es oft zu Bemerkungen wie: Na ja, so kann man es auch nennen, wenn man seinen «Saugoof» nicht im Griff hat… Dank der neuen Psychologin, lernte ich Martins Reaktionen zu deuten, zu verstehen und mit ihm zu arbeiten. Sprich: Ihn so zu erziehen, damit auch er versteht, was ich meine. Meinem Mann war das alles zu viel und so zogen wir bald nicht mehr an einem Strick. Meine Selbstzweifel lösten sich langsam auf. Ich lernte Martin zu zeigen, wie lieb ich ihn habe und ihm zu sagen, dass ich an ihn glaube. Die Herausforderung, einiges in meinem Denken und Handeln ändern zu müssen, machte mir oft Angst und setzte mich unter Druck. Ich tat mich schwer, einen kleinen Schritt nach dem anderen zu machen. Schwierig war, meine Kräfte einzuteilen und Hilfe anzunehmen. Ich war gewohnt, vieles selbständig und oft spontan zu erledigen. Martin schaffte den Einstieg in die Einschulungsklasse sehr gut, fand zu unserem Erstaunen einen Freund und verstand sich auch mit seiner Lehrerin. Sie wusste viel über ADHS und so lief einiges etwas leichter. Zeitaufwändig waren die Hausaufgaben. Stundenlang sass ich neben meinem Sohn. Mit Beginn der Medikation wurde seine Schrift leserlich und seine Ergotherapeutin berichtete uns, dass sie nun endlich mit Martin arbeiten könne, da er sich besser entspannen kann. Zuvor vergingen jedoch viele schlaflose Nächte und endlose Diskussionen, bis wir uns für die Medikation entscheiden konnten.

 

Sandra, die Problemlose?

Unsere Tochter lief während dieser Zeit einfach so nebenher. Für sie schien es kein Problem zu sein, alleine zu spielen, sich mit etwas stundenlang zu beschäftigen, zu gehorchen oder Regeln einzuhalten. Oft hatte ich Schuldgefühle, weil ich Sandra nicht so viel Aufmerksamkeit und Zeit schenken konnte. Einzig mit ihrem Bruder kam sie immer weniger klar. Er war in ihren Augen einfach nur nervig. Mit ihrem Kindergarteneintritt bekam ich endlich mehr Zeit für mich, meinen Haushalt oder auch mal für mein Hobby. Dies änderte sich schlagartig als die Kindergärtnerin (dieselbe, die Martin hatte) uns zu einem Gespräch bat. Mit einem bangen Gefühl gingen wir hin. Sandra sei gut integriert im Kindergarten. Aufatmen bei mir. Aber leider zeigten sich da und dort Probleme. Wenn sie ins Spiel vertieft sei, reagiere sie nicht auf die Aufforderung, es zu beenden. Es sei, als wäre sie in einer anderen Welt. Stimmt, das war mir zu Hause auch aufgefallen. Sie zeichne wunderschöne und fantasievolle Bilder, aber mit den Buchstaben wolle sie nichts zu tun haben. Stimmt, das erlebte ich auch. Sie wollte ihren Namen nicht schreiben lernen und wenn sie es versuchte, waren die Buchstaben verdreht. Machte man sie darauf aufmerksam, rastete sie aus und warf alles hin. Die Kindergärtnerin vermutete eine Legasthenie, obwohl ihr sprachlicher Ausdruck sehr gut und ihr Wortschatz grandios sei. Um keine wertvolle Zeit zu verlieren, sollten wir sie abklären lassen.

Ich hatte schon über Legasthenie gelesen und fand dies nicht so schlimm. Der SPD machte die Tests mit Sandra und fand: Fehlalarm. Mein Mann und das Umfeld waren beruhigt. Ich nicht! Die Ungewissheit blieb. Ich begann Sandra bewusst zu beobachten. Meine Zweifel wuchsen, obwohl ich das gar nicht wollte. Unser Antrag für die Einschulungsklasse wurde abgelehnt. So kam Sandra in die 1. Regelklasse. Nach drei Monaten fand das erste Austauschgespräch mit der Lehrperson statt. Ohne Vorwarnung knallte er uns an den Kopf: «Sandra ist aus meiner Sicht dumm und lernunfähig. Sie kann sich nicht konzentrieren, sich nichts merken oder abrufen von ihrem Speicher, dieser scheint leer zu sein. Aus diesen Gründen habe ich den Antrag für die Kleinklasse gestellt. Er wurde bewilligt. Ihre Tochter wechselt nach den Weihnachtsferien die Klasse. Haben Sie noch Fragen?»
Ob ich noch Fragen hatte?! Die Lehrperson hatte meinen Kampfgeist geweckt. Dank meinem Wissen und den Gesprächen mit der Beraterin von elpos wusste ich mit Bestimmtheit, dass es lernunfähige Menschen nicht gibt. Martins Psychologin machte einen umfassenden Test mit Sandra, der die Probleme unserer Tochter klar aufzeigte. Wir reichten Rekurs gegen den Entscheid ein. Die Behörden blieben stur und wir beantragten ein Treffen am runden Tisch. Ergebnis: Rückstufung in die Einschulungsklasse. Sandra schien der Wechsel egal. Sie überstand diese 18 Monate recht gut, obwohl sie das einzige Mädchen unter sechs Knaben war.

 

Scheidung, Pubertät: Ich komme an meine Grenzen!

Als meine Kinder 10 und 13 Jahre alt waren, trennte ich mich von ihrem Vater. Die Pubertät ist bereits ohne ADHS eine Herausforderung. Martin zeigte mir jedoch sehr schnell, dass dies bei ihm kein grösseres Problem sein wird. Er machte seine Erfahrungen mit dem Gruppendruck und klaute CD`s, wurde prompt erwischt und dies war ihm eine Lehre. Alkohol musste natürlich auch ausprobiert werden, bis ihm so schlecht war, dass er den Rest der Nacht neben dem Klo schlief. Ich hatte mir vorgenommen, nie die Kinder zu verurteilen, sondern die Sache zu beurteilen. Ich äusserte klar meine Meinung dazu und ob ich etwas dulde oder nicht. Damit war ich bei Martin sehr erfolgreich. Bei Sandra bald überhaupt nicht mehr. Sie war gerade mal 14 und verkehrte in allen Gruppierungen, die es in der Stadt gab. Saufende Jugendliche, Skinheads, Rechtsradikale, Kiffer und Junkies. Bei den Kiffern blieb sie lange Zeit hängen und rauchte mit. In dieser Zeit war es meiner Tochter gemäss heutiger Aussage sehr wichtig, dass ich selten mit ihr stritt und ihr nur wenige Vorwürfe machte. Ich setzte allerdings klar die Grenze: In unserem Haus und Garten ist Cannabis VERBOTEN! Auch ging ich zur Drogenberatungsstelle und erkundigte mich über das Thema. Dies nahm mir sehr viel Angst und ich bekam gute Tipps, wie ich mit meiner Tochter umgehen soll. Ich kam trotzdem oft an meine Grenzen, wenn Sandra nächtelang nicht nach Hause kam und ich nicht wusste, wo sie ist und wie es ihr geht. In dieser sehr schwierigen Zeit waren mir Martin und mein neuer Partner eine grosse Stütze. Sie gingen mit mir Sandra suchen oder waren einfach nur da für mich! Mit 16 Jahren fand meine Tochter wieder langsam den Boden unter ihren Füssen und zurück ins Leben.

 

Es hat sich gelohnt!

Heute sind die beiden 26 und 29 Jahre alt. Sandra hat die Prüfung als Fachfrau Betreuung nach einer Ehrenrunde bestanden und arbeitete danach mit körperlich schwerstbehinderten erwachsenen Menschen. Obwohl Legasthenikern ist sie von Sprachen begeisteret. Sie nahm sich ein Jahr Auszeit und lernt in diversen Ländern Englisch. Obwohl nicht arbeitsscheu, hat Martin als Metallbauer bis heute keine Festanstellung gefunden. Hier spielt sicher der Arbeitsmarkt eine grosse Rolle, der Bausektor setzt auf Temporär-Einsätze. Was uns Eltern besonders stolz macht: Unsere Kinder haben durch unser Verhalten viel gelernt und stehen heute für sich selber ein. Tief in mir drin gab ich meine Kinder nie auf und glaubte immer an ihre Fähigkeiten. Dies verschaffte mir die Kraft, weiter zu machen. Zudem stand mein zweiter Mann stets hinter mir und meinen Entscheidungen, wenn es um die Kinder ging.